Elmar L. Kuhn

Fundstücke - Jakob Bräckle


August 2016

Jakob Bräckle: Mein Weg.

Eine oberschwäbische Philosophie

Claus-Wilhelm Hoffmann (Hg.): Jakob Bräckle (1897-1987) Maler. Stuttgart: Theiss, 1997.

Darin: Jakob Bräckle: Künstlerselbstzeugnisse. S. 367-374.

Leben ist im Frühlingsjubel, in der brennenden Augustsonne, im Gewittersturm, im Herbstnebel, in der tiefen Stille, Starre und Kälte des Winters und in der sanften Schwermut einer Mondnacht. Leben ist auch im hingezogenen Acker, in den daherkommenden Gestalten, im dampfenden Misthaufen, im grabenden Bauern, in der ährenlesenden Frau, im Gewimmel der Menschen, die ihre Ernte nach Hause bringen. Auch das Dorfinnere, von der Natur umwobene Häuser, die Behausung der Bauern, die bäuerlichen Gebräuche, der Gesang der jungen Leute, die Töne der Ziehharmonika, die schmetternde Trompete am Feierabend sind von Leben und poesie durchdrungen. Leben ist auch im dämonenhaften Treiben am Nikolausabend, im geheimnisvollen Schrei der Nachtvögel. Das Leben mit der Natur und die Arbeit mit der Scholle geben uns natürliche Lebensordnung, die die Erde begreifen und besiegen läßt. Daraus fließt Tag um Tag ein neues Leben zu, das uns in Einklang mit den ewigen Gesetzen bringt. Aus diesem Gefühl wächst meine Arbeit. S. 369.

Nur die Einsamkeit kann den heutigen Menschen vorm Materialismus retten und ihn zur Besinnung bringen. S. 369.

Um den Kräften des Ewigen näher zu kommen, braucht man Ruhe und Einsamkeit, welche mir die kleine Welt meiner Heimat Winterreute in Fülle gegeben hat und noch gibt. S. 371.

Ich sehe es heute als eine gewisse Gnade an, daß ich mich nie um äußere Dinge bemüht oder mich dafür interessiert habe. Diese Gleichgültigkeit um den Rummel in der Kunst gab mir auch die nötige Ruhe für mein Schaffen. Dieses ist wohl mit die Ursache, daß ich heute in meinem fortgeschrittenen Alter mich noch weiter entwickeln kann. Es ist gut, wenn der geistig Schaffende mit Goethe sagt: "Ruhm ist nichts, Tat ist alles!". S. 372

 

Villa Museum Rot (Hg.): Jakob Bräckle. Winterbilder. Rot 2003.

Darin: Jakob Bräckle (1897-1987) – Selbstzeugnisse. Ausgewählt von Norbert A. Deuchert, S. 7-10.

Mein Winterreute mit seinen Äckern und Wäldern und den herrlichen Sonnenuntergängen war schon früh mein Ideal, das Höchste, nach dem sich meine Seele, mein ganzes Ich, sehnte. S. 7.

Mein Weg war auch bald vorgezeichnet. Mein Weg ist bis heute absolut individuell. Dieser Weg musste von mir selbst gefunden werden. S. 7.

Von größter Wichtigkeit ist es, dass wir immer einfacher werden. S. 8.

Arnold Stadler: Auf dem Weg nach Winterreute. Ein Ausflug in die Welt des Malers Jakob Bräckle. Salzburg-Wien: Jung und Jung, 2012.

Meine Arbeit soll einsam, still, tief und groß sein. S. 47.

Diese meine einfache Landschaft Winterreute, welche nicht viel äußeren Reiz hat, lässt mich schon früh in das Geheimnisvolle der Natur, in das Unsichtbare, in das Ewige hineinblicken u. dieses in das Ewige schauen macht mich auch bald dem äußeren Gegenstand gegenüber gleichgültig. Dieses in die Tiefe gehen gab mir auch gleich eine unbesiegbare Liebe und Ehrfurcht zu einem Stück Acker, zu einer Schneefläche u. zu der Dunkelheit des Waldes am Horizont. Diese Dinge mit ihren Menschen u. ihren Stimmungen blieb mein wesentliches, ist mein Phänomen. Ich hatte auch nie den Drang, in einer fremden Landschaft zu malen. Meine kleine Welt wollte ich auch nie erweitern. Schon Laotse sagt: je ferner man schweift, desto weniger man begreift u. wer ohne Begehren ist, der wird das geheimste schauen. Diese meine Äcker im Sommergewand, im Herbstton u. die Schneefelder wurden mir schon früh zu kostbaren Edelsteinen. Die Liebe, die Ehrfurcht u. Bewunderung von meiner Natur u. auch die Einsamkeit des Winters, die oft schauervoll tobenden langen Nächte. Durch die unbeschränkte Hingabe an die Natur kommen wir auch der unendlichen Grüße des Ewigen bei. Rabindranath Tagore sagt: Wir kommen der Größe am nächsten, wenn wir groß in Demut sind. Die Demut vor der Natur lässt uns alles schauen u. die Größe ahnen. S. 75, 99, 101

Jedes inbrünstige Gebet gibt dem Geiste Erleuchtung, dem Herzen Lebensmut, dem Willen Festigkeit und Friede der Seele. S. 114.

Copyright 2017 Elmar L. Kuhn