Elmar L. Kuhn

Oberschwaben und das Konzil von Konstanz 1414-1418


Schuldner und Gläubiger

Als das Konzil wegen einer neuen Pestwelle überstürzt beendet wurde und der König seine Abreise ankündigte, verwies ihn der Rat auf dessen eigenes Mandat, niemand dürfe die Stadt auf Dauer verlassen, bevor er nicht seine Schulden bezahlt habe. Nachdem Sigismund in einer Gemeindeversammlung auf seine Verdienste um die Ortswahl von Konstanz als Tagungsort verwiesen hatte, gab sich die Stadt mit der Hinterlassung von Pfändern und dem Versprechen auf Bezahlung innerhalb eines Jahres zufrieden. „Also sind die von Costentz überfürt worden.“ Den Ulmern ging es anschließend nicht anders.

Auch seine Räte und Bediensteten musste der König oft vertrösten, bis er wieder Geld flüssig hatte. Ein Gutteil der Urkunden, die der König in jenen Jahren ausstellte, sind Anweisungen an die Reichsstädte, welchem seiner Räte sie die Reichssteuer als Entlohnung ausbezahlen sollten. So hatte Überlingen seine Reichssteuer 1413 und 1414 an die Herren von Homburg im Hegau zu bezahlen. Um auf einen Schlag zu einem größeren Betrag zu kommen, ließ sich Sigismund 1415 von Überlingen 5.000 fl. auszahlen und erließ ihm dafür die Jahressteuer von 600 fl. 1417 holte er noch einen Nachschuss und verpfändete der Stadt die Reichsmühlen um 1.000 fl.

Etwas entlastete den König der Zehnten, den ihm der Papst 1418 für seine Verdienste um das Konzil von den Einkünften aller Geistlichen überlassen hatte. Mit dem Einzug dieses Zehntens wurden Graf Hans von Lupfen, Hans Konrad von Bodman und Markgraf Bernhard von Baden beauftragt. Aus diesen Einnahmen sagte der König seinem früheren Reichslandvogt Rudolf von Montfort-Tettnang zu Scheer 2.400 fl. als rückständigem Lohn zu.

Um seine Konstanzer Restschulden zu begleichen, nutzte der König 1430 die letzten großen Judenprogrome in den oberschwäbischen Städten. Auf das Gerücht eines angeblichen jüdischen Ritualmordes in Ravensburg hin brachten die Ravensburger, Lindauer und Überlinger Bürger ihre jüdischen Mitbewohner um. In Konstanz revoltierten die Zunftbürger gegen ihren Rat, dem sie ein zu mildes Vorgehen gegen die Juden vorwarfen. Nun griff der König ein, in einem Hoftag in Überlingen verurteilte der König die Verantwortlichen des Aufstands, legte der Stadt Konstanz eine Strafe von 28.000 fl., etwa in Höhe seiner noch ausstehenden Schulden, auf und gab ihr eine neue Stadtverfassung. Die oberschwäbischen Städte hatten alle beschlagnahmten Vermögen der Juden an den König abzuführen und Strafgelder zu bezahlen, Überlingen z.B. 5.000 fl. Strafe und 2.000 fl. Beherbergungskosten, weil sie die Juden verbrannt hatten, ohne den König vorher zu fragen. Während des Konzils waren die Juden gefragt für die Finanzierung der Aufenthalte mancher hochrangiger Teilnehmer, nun hatten sie mit Vermögen und Leben den Aufenthalt des Königs in der Konzilsstadt zu bezahlen.

     

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