Elmar L. Kuhn

Die deutsche Provinz der Pauliner 14.-16. Jahrhundert


Provinziale und Provinzialvikare

Vorbemerkung: Das Provinzialarchiv hat sich nicht erhalten. Die folgende Liste wurde aus verstreuten Funden in den Quellen und in der Literatur zu einzelnen Klöstern zusammengestellt. Erste Zusammenstellungen der Provinziale, soweit sie auch Prioren des Klosters Langnau waren, finden sich auf einem Ölgemälde von 1736, das heute im Montfortmuseum Tettnang hängt108, und in der Geschichte des Klosters Langnau von Gebhard Schneider von 1886. Die Viten werden nur bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts geboten, da mit dem Ende des Roten Hauses 1512 kein Paulinerkloster mehr in der Schweiz existierte.

Provinziale
Rudolf Mezeller, 1340 (?).

Nach dem Bericht des Ordenschronisten Eggerer von 1663 bittet der presbyter „de loco dicto in der Awe, prope oppidum Sulz, Basiliensis dioecesis“109 1340 als einer der beiden Gesandten der schwäbischen Eremiten um deren Aufnahme in den Paulinerorden und wird daraufhin vom Generalprior als „vicarius generalis“ mit dem Auftrag eingesetzt, die schwäbischen Klöster zu visitieren und das erste Provinzialkapitels einzuberufen110.

Ulrich, 1353-1354.

Er und Bruder Johannes, Prior in Tannheim, anerkennen am 24. 7. 1353 und 16. 10. 1354 Graf Hugo von Fürstenberg, Herr zu Zindelstein, als Vogt des Klosters Tannheim111. Er besiegelt die Urkunde von 1354 mit dem ältesten erhaltenen Siegel des Provinzialpriors. Am 31. 7. 1360 schenkt Ritter Heinrich von Blumegg den Brüdern Ulrich und Johannes als Vertretern des Paulinerordens die Hofstatt „ze der Wilden Habe“ und stiftet damit das Kloster Grünwald112.

Friedrich, 1362.

Er und der Konvent zu Grünwald gehen am 9. 2. 1362 gegenüber Abt Heinrich und dem Konvent von St. Blasien anlässlich der Schenkung des Platzes „ze der Wildenhab“ verschiedene Verpflichtungen ein113.

Im folgenden lassen sich mehrere Provinziale mit dem Vornamen Nikolaus schwer voneinander abgrenzen.

Nikolaus,1360-1366.

1360, 1365 und 1366 lässt er päpstliche Privilegien und Mandate für den Paulineroden von Bischöfen vidimieren: am 1. 2. 1360 als Konventuale des Klosters Kirnhalden zusammen mit seinem Mitbruder Paulus mehrere Privilegien von Bischof Johannes von Straßburg114; als Provinzial das Mandat Papst Urbans V. von 1364115 am 25. 6. 1365 mit seinem Vikar Paulus und dem Priester Ulrich (alle Konventualen in Kirnhalden)116 von Bischof Johannes von Straßburg; am 27. 11. 1365 mit den Brüdern Heinrich und Konrad wohl des Konvents von Rohrhalden vom Bischof Johannes von Basel117 und am 3. 2. 1366 mit Bruder Johann, Konventual in Blümlistobel, von Bischof Heinrich von Konstanz 118. Am 24. 8.1370 lassen ein Nikolaus von Ettenheim, Priester, und Johannes gen. Wucher von Freiburg, von Bischof Johannes von Worms die Bullen Johannes’ XXII. von 1328 und Clemens’ VI. von 1363 wohl für das Kloster auf dem Donnersberg beglaubigen119.

Paulus, 1371.

Als Konventual von Kirnhalden lässt er am 1. 2. 1360 und am 25. 6. 1365 als Vikar, jeweils zusammen mit dem Provinzial Nikolaus päpstliche Urkunden von Bischof Johannes von Straßburg vidimieren120. Als Provinzial besiegelt er am 27. Mai 1371 in Gundelsbach eine Urkunde des Klosters St. Jakob auf dem Donnersberg121. Am 21. 9. 1371 erkennt er den Stifter des Klosters St. Jakob, Graf Heinrich von Sponheim, als Vogt an122.

Ulrich Klöder, 1379 (?).

Nach der Grünwalder Klosterchronik von 1741 ist er 1379 Prior in Grünwald und Provinzial, „de quo nihil constat“123.

Claus Brune von Freiburg, 1383.

Werner von Richisheim, Leutpriester in Basel, übergibt den Hof „zem Rotenhuse“ dem Provinzial zur Stiftung eines Klosters124.

Friedrich, 1387.

Der Provinzial und der Prior Heinrich des Klosters St. Peter auf dem Kaiserstuhl anerkennen Markgraf Hesso von Baden-Hachberg als Vogt dieses Klosters125.

Nikolaus von Alsenz, 1391-1402.

Nikolaus tritt am 27. 5. 1371, 14. 9. 1374, 25. 1. 1376 und am 2. 12. 1386 in Urkunden als Prior des Klosters St. Jakob auf dem Donnersberg auf126. 1391 nimmt der Provinzial Nikolaus beim Provinzkapitel in Goldbach Engelhard von Weinsberg und seine Frau als Wohltäter des Klosters Goldbach127 und am 20. 5. 1397 auf dem Provinzkapitel in Rohrhalden den Landgrafen Johann von Leuchtenburg mit seiner Familie als Stifter des Klosters St. Oswald in die Bruderschaft des Ordens auf128. Am 24. 8. 1400 bestätigt er mit dem Konvent von St. Jakob eine Messstiftung für dieses Kloster129 und am 1. 7. 1402 mit dem Prior Rudolf von Argenhardt eine Messstiftung für diesen Konvent130. Am 5. 10. 1404 stirbt Nikolaus von Alsenz, Provinzial und Prior von St. Jakob131.

N.N., 1403.

Der Provinzial und Prior von Anhausen nimmt am 8. 4. 1403 eine Schenkung an sein Kloster entgegen132.

Nikolaus, 1407.

Dompropst Ulrich von Konstanz bestätigt dem Provinzial und Prior Nikolaus im Auftrag des Papstes die Stiftung des Klosters Langnau133. Am 6. 5. 1412 ist ein Nikolaus von Straßburg Prior in Rohrhalden134. Am 9. 8. 1429 stirbt Nikolaus von Mainz als Prior von St. Jakob auf dem Donnersberg135.

Johannes von Stetten, 1407-1417 (?).

Er ist der erste Prior des Klosters Langnau136. Nach der Historientafel von 1736 wirkt er während 12 Jahre von 1405 bis 1417 als „Prior & Provincialis“137. Urkundliche Belege für ein Auftreten als Provinzial sind derzeit keine bekannt. Fraglich ist, ob er mit einer der folgenden Personen identisch ist: am 20. 1. 1402 ist ein Johannes Prior des neugegründeten Klosters Bonndorf138, 1403 Johann von Winegke Prior des Klosters Rotes Haus139, 1427 Johann von Möckmühl Prior in Goldbach140 und am 24. 11. 1429 Johann Hasler Prior in Bonndorf141.

Konrad Brunner, 1421-1432.

Er ist für die Jahre 1417-1431 als Prior in Langnau bezeugt142 und weilt wohl in Konstanz beim Konzil, als Papst Martin V. nach seiner Wahl 1417 etliche Urkunden zugunsten des Paulinerordens ausstellt, u.a. nimmt er am 15. 3. 1418 das Kloster Langnau in seinen Schutz143. 1419 versieht allerdings ein „frater Conradus provincialis ord. S. Pauli primi eremitae“ die dem Kloster St. Peter auf dem Kaiserstuhl inkorporierte Pfarrei Vogtsburg144.

Am 26.8.1421 bestätigt Bruder Konrad die Übereinkunft des Priors des Roten Hauses, Albrecht Jacob von Rottweil, mit Johannes Thüring Münch von Münchenstein über den Bau von Kloster und Kirche145. Am 30. 10. 1424 und am 13. 12. 1431 stellt er als Prior von Langnau und Provinzial Lehenbriefe für dieses Kloster aus146. Am 25. 5. 1427 und am 4. 1. 1430 gibt er dem Landgrafen Johann von Leuchtenburg als Enkel des Stifters das Kloster St. Oswald mit allem Besitz zurück und verzichtet am 9. 4. 1432 endgültig wegen vielfältiger Störungen durch den neuen Landesherrn, den Grafen Etzel von Ortenburg147. - 1430 ist ein Bruder Konrad Prior des Roten Hauses148.

Heinrich, 1433-1437.

Ein Heinrich wird am 25. 7. 1381 als Prior in Rohrhalden genannt und nach zwei anderen Prioren dort wieder 1424149. Von 1404 bis 1436 steht ein vielfach bezeugter Bruder Heinrich dem Kloster Anhausen vor150. Nur am 25. 11. 1433 tritt er als Provinzial und Prior zu Anhausen auf und kauft Güter für dieses Kloster151. Am 20. 6. 1437 besiegelt der Provinzial Heinrich eine Urkunde über einen Güterverkauf des Klosters Grünwald mit152.

Johannes von Allenheim, 1438-1473.

Er ist 1447 bis 1474 als Prior des Klosters Rohrhalden bezeugt153. 1438 oder 1439 stimmt er dem Übertritt eines Konventualen von St. Peter auf dem Kaiserstuhl in die Benediktinerabtei St. Gallen zu154. Am 4. 9. 1447155, am 24. 1. 1454, 1. 4. 1459, 14. 1. 1471, 21. 3. 1471 und am 24. 4. 1473 handelt er in Geschäften des Klosters Rohrhalden jeweils als Prior und Provinzial156. Am 11. 11. 1448 lässt er zusammen mit dem Prior von Kirnhalden, Ulrich von Schlettstadt, Urkunden dieses Klosters von einem Notar beglaubigen157. Am 21. 3. 1471 25. 10. 1471 bestellt er Bartholomäus Brunner von Rothenburg o.d.T. zum Prior im Roten Haus158. Am 4. 10. 1474 stirbt Johannes von Allenheim und wird im Kloster Rohrhalden begraben. „Als dieses Closter durch Armuth sehr in Decadence gekommen, hat er sich um dasselbe hochverdient gemacht.“159 1450 ist ein Johannes auch Prior in Goldbach160.

Konrad Vogel, 1476.

Nach der klösterlichen Überlieferung leitet er 1433-1478 als Prior das Kloster Langnau und als Provinzial die Provinz161. Am 1. 5. und 15. 10. 1436 ist aber noch Johannes Rugkinbrott dort Prior162. Als Prior ist Konrad Vogel bislang am 13. 12. 1442 erstmals urkundlich nachweisbar163. 1467 und 1478 schließen er und die Grafen von Montfort als Vögte des Klosters Vergleiche über die beidseitigen Rechte und Pflichten164. Nur in einer Kaufurkunde vom 21. 6. 1476 tritt Konrad Vogel als Provinzial und Prior in Langnau auf165.

Rudolf Forster, 1479, 1488.

Nach der Langnauer Überlieferung ist er 1478-1488 Prior in Langnau und Provinzial166. 1479 stimmt er als Provinzial einem Verkauf des Klosters Tannheim zu167 und am 2. 3. 1488 kauft er als Provinzial und Prior von Langnau einen Zins für sein Kloster168.

Leonhard Korbmann, 1484.

Er amtet von 1445 bis 1484 als Prior in Anhausen169. Am 16. 3. 1484 stellt er als Provinzial und Prior in Anhausen eine Verschreibung für dieses Kloster aus170.

Johannes Langensee, 1488-1499 (?).

Laut Langnauer Überlieferung ist er dort 1488-1499 Prior und Provinzial171. Belege für das Amt des Provinzials sind keine bekannt.

Johannes von Oberndorf, 1492.

Er leitet von 1474 bis mindestens 1518 als Prior das Kloster St. Jakob auf dem Donnersberg172. 1492 beurkundet er als Provinzial einen Tausch des Klosters Tannheim173. Wohl am 2. 4. 1530 stirbt er auf dem Donnersberg, „ehedem Provinzial und pater vicarius unseres Ordens, qui fuit jubileus, recht gebildet, unternehmend, sparsam und ein guter Verwalter“174.

Stephan Erkenbrecht, 1490-1499 (?).

Er ist 1490-1499 Prior des Klosters Anhausen und soll nach Borchardt auch Provinzial gewesen sein175.

Johannes Bader, gen. Asmus, 1496-1517.

In der Langnauer Liste wird er von 1499 bis 1521 als Prior und Provinzial geführt176. Am Ende seiner Amtszeit kritisiert die Gräfin Magdalena von Montfort als Landesherrin die mangelnde Disziplin im Kloster und erlässt Vorschriften für eine bessere Ordnung177. Als Provinzial ist er nur dreimal bezeugt, am 15. 3. 1496 stimmt er einem Zehntverkauf des Klosters Tannheim zu, 1512 und 1517 bezeichnet er sich in Geschäften des Klosters Langnau als Provinzial und Prior178.

Johannes Reinhart, 1523-1529.

Er stammt aus einer angesehenen Bürgerfamilie in Crailsheim und leitet das Kloster Anhausen von 1499 bis zu seinem Tod am 21. oder 22. 12. 1532179. Er wirtschaftet gut und erzielt für sein Kloster beträchtliche Überschüsse, verhält sich aber gegen seine Mitbrüder und die Bauern als „gestrenger Herr“. Im Bauernkrieg wird das Kloster Anhausen deshalb geplündert und brennt nieder. Reinhart baut sein Wohnhaus in Anhausen wieder auf, die Kirche wird jedoch nicht mehr eingerichtet, er selbst hält sich viel im Stadthaus des Klosters in Crailsheim auf. Ab 1529 übernimmt der Markgraf von Brandenburg-Ansbach die Aufsicht über die Rechnungsführung. Als Provinzial erscheint Reinhart zweimal in den Quellen, 1523 in Geschäften des Klosters Langnau und 1529 in einem Vidimus des Schutzbriefes König Sigismunds für die Pauliner von 1415180.

Weitere Provinziale des 16. Jahrhunderts:

Nikolaus Zürn, 1538-1550, Prior Langnau 1521-1553.

Johannes Vogt, 1553-1575 (?), Prior Langnau 1553-1575.

Johannes Hering, 1575, Prior Tannheim 1575.

Hieronymus Leuthold, 1577-1585, Prior Langnau 1575-1601.

Jakob Buchmayer, 1593-1605, Prior Rohrhalden 1594-1602, Prior Langnau 1602-1612.

Provinzialvikare bzw. Vize-Provinziale
Johannes, 1354.

Er anerkennt als Vikar und Prior von Tannheim am 16. 10. 1354 zusammen mit dem Provinzial Ulrich den Grafen Hugo von Fürstenberg als Vogt des Klosters Tannheim an181. Ein Johannes „de Nigra Silva“ weist am 28. 12. 1352 dem Generalvikar in Konstanz mehrere päpstliche Bullen zur Beglaubigung vor182. 1359 bis 1363 ist Johannes von Zug Prior des neugegründeten Klosters Argenhardt183. In Gundelsbach ist am 22. 2. 1359 ein Bruder Johannes Konventuale184 und am 3. 2. 1366 in Blümlistobel185.

Paulus, 1365.

Am 25. 6. 1365 lässt er als „vycarius“ zusammen mit dem Provinzial Nikolaus und dem Priester Ulrich, alle drei Konventualen in Kirnbach, das Mandat Papst Urbans V. von 1364 vidimieren186. Weitere Nachrichten siehe Provinzial 1371.

Johannes von Oberndorf, Ende 15. Jahrhundert.

Wohl am 2. 4. 1530 stirbt der Prior von St. Jakob auf dem Donnersberg, „ehedem Provinzial und pater vicarius unseres Ordens“187. Weitere Nachrichten siehe Provinzial 1492.

Johannes, ca. 1508-1512.

Gyöngyösi würdigt ihn in seinem Werk als einen der ganz wenigen deutschen Pauliner als „organipar et organista“. Er habe während der Amtszeit des Generalpriors Gregors II. (1508-1512) die Orgel im Hauptkloster St. Laurentius bei Buda „ornatissime“ ebenso erbaut, wie in vielen anderen Paulinerkirchen. „Hic etiam pluribus in locis fuit viccarius et prior in Alemania.“188

Siegfried (Seyfried) Has, 1512.

Er leitet 1479 bis 1505 als Prior das Kloster Rohrhalden189. Am 2. 5. 1505 schlichtet er als Vertreter des Provinzials einen Streit zwischen dem Kloster Argenhardt und dem Grafen von Montfort als Landesherrn190. Am 7. 6. 1512 stirbt er nach Crusius als „Vicarius Provincialis, und Prior“191.

Weitere Provinzialvikare des 16. Jahrhunderts:

Johannes Riecker, 1548-1553, Prior Goldbach 1518-1521, Prior Rohrhalden 1530-1553.

Johannes Vogel, 1583-1593, Prior Bonndorf 1582-1593.

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