Elmar L. Kuhn

Von Hemigkofen und Nonnenbach zur Gemeinde Kressbronn


Polemiken

Aber Hemigkofen gab nicht auf und benutzte wenige Jahre später 1854 eine prekäre Lage Nonnenbachs. Dort war der Schultheißenposten erneut frei geworden und waren gleichzeitig finanzielle Unregelmäßigkeiten zweier Gemeindepfleger über Jahre hinweg entdeckt worden. Nun fühlten sich die Hemigkofer wieder stark und führten in ihren Anträgen starke Geschütze in drei Richtungen auf:

  • „Die Gemeinde Nonnenbach schließt sich nach ihrer natürlichen Lage schon so an Hemigkofen an, daß man sich notwendig sagen muß: Die Natur selbst will diese zwei Bezirke vereinigt wissen. Gebäude und Felder selbst stoßen so an- und ineinander, daß hier entfernt niemand an zwei Gemeinden denken würde“.

  • Auf der finanziellen Ebene wurde neben dem wiederholten Argument des Steuerabflusses genau vorgerechnet, was man durch eine Zusammenlegung alles einsparen könnte.

  • Die Empfänglichkeit der Nonnenbacher für die Hemigkofer Argumente wird kaum gefördert worden sein durch die massive Polemik, die der Schultheiß Maier am Schluß gegen seine Nachbargemeinde richtete: „Diese kleine Gemeinde warf sich zum Asyl all derer auf, welche hier (also in Hemigkofen) gestraft wurden, man dort die Vergehen, die hier abgerügt wurden, fast immer straflos ausgehen lässt, indem dort fast durchgängig systematisch das Gegenteil von dem zu geschehen pflegt, was hier für Recht und Ordnung angerechnet wird und in dem so die Amtsführung in dahiesiger Gemeinde stets fort unsäglich erschwert wird. Der Ortsvorsteher nimmt in Sachen der Sittlichkeit und Moralität überhaupt eine sehr tiefe Rangstufe ein und eine solche Majorität ist das eklatanteste Armutszeugnis für die politische Mündigkeit einer Gemeinde.“

Offenbar wurde das Einvernehmen beider Ortsvorsteher auch nicht dadurch gefördert, daß beide so nahe vis á vis wohnten, daß sie „von ihren Wohnzimmern aus miteinander verständlich reden konnten“. Die Nonnenbacher zahlten mit gleicher Münze heim. Die Gefahr der Verarmung in Hemigkofen bestünde nicht mehr, wenn die „Hemigkofer mehr zu Hause bleiben und nicht so viel ins Wirtshaus gehen und sich nicht so viel mit Theater und Tanz abgeben würden.“ Die Erinnerung an die gemeinsame Zeit 1810-1822 würde nur schrecken, damals habe es „nichts als Streit“ gegeben. In Nonnenbach habe sich „nicht eine Stimme“ für die Vereinigung ausgesprochen, „im Gegenteil herrscht nur einstimmig allgemeine Abneigung und ein ernstlicher Widerwillen gegen diesen Plan“. Überhaupt ergäben sich nur Nachteile und keine Vorteile für die Nonnenbacher.

Damit war Hemigkofen klar abgeblitzt, wobei die Nonnenbacher nicht unrecht hatten, hinter den ganzen Bestrebungen stehe ohnehin in erster Linie der energische Hemigkofer Schultheiß Maier, der diese Gemeinde von 1841 1885 verwaltete. Nach seinem Misserfolg bei der Gemeindereform konzentrierte er sich auf ein neues Gebiet und kämpfte auch als Landtagsabgeordneter unermüdlich für den Eisenbahnanschluss Hemigkofen, hatte aber auch hier erst lange nach seinem Tode Erfolg.

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