Elmar L. Kuhn

Von Hemigkofen und Nonnenbach zur Gemeinde Kressbronn


Von Hemigkofen und Nonnenbach zur Gemeinde Kreßbronn – Ein langes Werben und eine späte Zwangsheirat

„Würden sich die beiden Gemeinden mit freier Zustimmung der Bürger zu einer vereinigen, so würde viel erspart und die einstigen Nachkommen würden den Tag der Vereinigung segnen!“ schrieb 1854 der Pfarrer Hafen in seiner Gattnauer Chronik. Der Hemigkofer Schultheiß Maier zitierte im gleichen Jahr diesen Satz in seinem Eingemeindungsantrag. Es kam anders, freiwillig vereinigten sich die beiden Gemeinden nicht. Hinsichtlich des Einsparungseffektes von Verwaltungsreformen ist man ohne skeptisch geworden. Es hat aber auch der Nonnenbacher Schultheiß 1854 nicht recht behalten, der den Eingemeindungsantrag seines Hemigkofer Kollegen zur Stellungnahme erhielt und mit kräftiger Schrift neben das eingangs erwähnte Zitat von Pfarrer Hafen vermerkte: „Das (also die Vereinigung) geschieht nie!“ Das Zitat stamme ohnehin nicht vom Pfarrer, da der Schultheiß Maier beim Verfassen der Chronik mitgeholfen habe, er sich in seinem Schreiben also nur selbst zitiere.

Damit sind wir schon mitten in den Händeln drin, bei denen Hemigkofen als armer Bräutigam mit allen Mitteln die reiche Braut Nonnenbach heimholen wollte. Die Braut wehrte sich kräftig über Jahrzehnte. Allzu deutlich wurde ihr bekundet, daß der Bräutigam sich nur mit ihrer Mitgift sanieren wollte. Aber heute ist das einst streitbare Paar so zusammengewachsen, daß beide Teile kaum mehr unterscheidbar sind und man sie erst vorstellen muß: Die Gemeinde Hemigkofen erstreckte sich nördlich der alten Tettnanger Landstraße (der Straße von Betznau zur Hauptstraße bis zur „Krone“ und dann nördlich des Nonnenbachs. Die Gemeinde Nonnenbach mit den Teilorten Kreßbronn, Gohren, Tunau und Retterschen lag südlich davon. Das Dorf Hemigkofen hatte seinen Mittelpunkt um den „Löwen“. Der Ort Nonnenbach war zunächst nur ein kleiner, locker gestreuter Weiler um den „Engel“. Der alte Ort Kreßbronn umfaßte eine Häusergruppe an der Schiffslände. Die Grenze mutet recht künstlich gezogen an und entstand bei einer Teilung innerhalb des gräflichen Hauses Montfort durch die Trennung der Herrschaften Tettnang und Argen Mitte des 15. Jahrhunderts. Daß ältere Zusammenhänge dabei zerschnitten wurden, war daran zu erkennen, daß die Pfarrei Gattnau beide Gemeinden umfaßte.

Copyright 2020 Elmar L. Kuhn